Lebenszyklus einer Photovoltaik Anlage – von Planung bis Direktvermarktung

Die Photovoltaik Anlage hat sich sowohl als Investment sowie als persönlicher Beitrag zur Energiewende längst in Deutschland durchgesetzt. Die übliche Mindestlaufzeit des Investments beträgt 20 Jahre, denn so lange wird dem Betreiber die Einspeisevergütung zugesichert. Damit endet jedoch das Leben einer Photovoltaik-Anlage nicht. Auch nach dem Auslaufen der Einspeisevergütung gibt es Möglichkeiten, noch Vorteile aus der Investition zu gewinnen.

In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über den Lebenszyklus einer typischen Photovoltaik-Anlage, von Planung bis zum Repowering und Direktvermarktung.

Planung

Der Bau einer PV-Anlage ist auch bei einer geringen Kapazität ein umfangreiches Projekt. Und solche sollten sorgfältig geplant sein. Dafür müssen neben der Beschaffung der notwendigen Bestandteile auch Faktoren wie Verschattungsanalysen und Ertragsanalysen eingerechnet werden.

Die Planung sollten Sie, vor allem bei fehlendem Wissen in dem Bereich, dem Installateur Ihres Vertrauens überlassen. Es schadet jedoch nie, sich Grundlagenkenntnisse anzueignen, um fundierte Nachfragen stellen und die eigenen Vorstellungen so klar wie möglich kommunizieren zu können. Das hilft auch dem Installateur bei der Arbeit.

Abschreibung

Zur Planung einer Investition gehört, sich über die finanziellen Auswirkungen Gedanken zu machen. Um sich steuerlich optimal aufzustellen, können die Kosten einer Photovoltaik-Anlage auf verschiedenen Wegen abgeschrieben werden.

Eine Möglichkeit ist die lineare Abschreibung. Dies stellt den Normalfall dar und ist für Investitionen jeder Art anwendbar. Dabei werden die Anschaffungskosten jedes Jahr mit dem gleichen Prozentsatz über die gesamte Dauer der Nutzung abgeschrieben. Die Nutzungsdauer von Photovoltaik-Anlagen ist grundsätzlich 20 Jahre, also können jährlich 5% der Anschaffungskosten abgeschrieben werden.

Eine weitere Möglichkeit liegt in der degressiven Abschreibung. Das funktioniert so: Im ersten Jahr kann ein bis zu 2,5-fach höherer Prozentsatz gegenüber der linearen Variante abgeschrieben werden, also bei PV höchstens 12,5%. Im Folgejahr berechnet sich der Abschreibungswert dann am Rest der abzuschreibenden Summe. Die degressive Abschreibung sinkt demnach jährlich, während die lineare stetig gleich bleibt.

Zur Optimierung der steuerlichen Möglichkeiten ist auch ein Wechsel von degressiver zu linearer Abschreibung möglich. Dies lohnt sich, wenn der jährlich sinkende Anteil unter die 5%-Marke fällt.

Betrieb

Der Betrieb einer Photovoltaik-Anlage ist grundsätzlich simpel. Der Betreiber sollte die Erträge der Anlage entweder selbst überprüfen oder dies durch einen Service-Partner in Form einer Fernüberwachung machen lassen. So können Erträge regelmäßig nachverfolgt und festgehalten werden. Der (oder die) Wechselrichter zeigen meist über einfach zu interpretierende Signale an, dass alles funktioniert.

Für den Fall, dass der Wechselrichter einen Fehler zeigt, sollten Sie sich umgehend an Ihren Elektriker wenden. Dieser kann das Problem entweder über einen Neustart oder den Austausch des Gerätes beheben.

Inspektion

Jedoch ist zu beachten, dass auch bei Überwachung der Erträge eine Instandhaltung/Instandsetzung der Photovoltaik-Anlage notwendig ist. Aufgrund der sich ändernden Einstrahlungswerte an unterschiedlichen Tagen und Jahren ist eine Überprüfung rein über den Ertrag nicht zu empfehlen. Es fehlt die Vergleichbarkeit.

Da die zu Beginn der Planung erstellten Ertragsanalysen meist äußerst konservativ angesetzt sind, heißt ein stetig gleichbleibender Ertrag nicht, dass die Anlage im bestmöglichen Zustand ist. Ein Wechselrichter-Monitoring gibt dem Betreiber vor allem keine Auskunft darüber, ob einzelne Module oder Modulteile fehlerhaft sind. Das Bewusstsein über die Funktionsfähigkeit der Anlage ist nicht nur aus Ertragsgründen wichtig. Fehlerhafte Module bergen Gefahren für die Sicherheit des Photovoltaik-Systems sowie des Gebäudes, auf dem die Anlage erbaut ist.

Mehr zum Thema Inspektion finden Sie hier.

Reparatur

Inspektionen bringen Defekte einer Anlage ans Licht. Dafür sind Sie gedacht. In unserer Erfahrung haben ca. 75% aller Photovoltaik-Anlagen Auffälligkeiten oder Defekte (für mehr Informationen finden Sie unsere Studie hier).

Die meisten Anlagenbetreiber sind sich unsicher darüber, welche Defekte unbedingt einer Reparatur bedürfen. Diese Unsicherheit birgt Gefahren, da bestimmte Defekt zu Brandgefahr oder großflächigen Ertragsverlusten führen können. Unser Beitrag „Arten von Photovoltaik-Defekten“ präsentiert Ihnen die häufigsten Auffälligkeiten und ob Handlungsbedarf besteht.

Gewährleistung/Garantie

Wenn Sie sich für eine Reparatur der gefundenen Defekte entscheiden, bleibt die Frage: Wer muss das bezahlen? Für die Beantwortung dieser Frage ist zunächst zu klären, zu welchem Zeitpunkt die Defekte entdeckt werden und welche vertraglichen Verpflichtungen der Installateur oder Hersteller mit Ihnen eingegangen ist. Sollten die Reparaturen weder unter die Gewährleistung noch die Garantie fallen, haben Sie die Kosten im Regelfall selber zu tragen. Ob sich eine Reparatur lohnt, ist abhängig von der Intensität der Defekte, dem verbauten Modultyp und Ihrer Einspeisevergütung. Eine zuverlässige Einschätzung kann daher nur im Einzelfall getroffen werden.

Sind Sie nicht sicher, ob Sie noch den Schutz der Gewährleistung oder Garantie genießen? Die Abgrenzung der beiden Modelle ist in unserem bald erscheinenden Beitrag „Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie?“ zu finden.

Repowering

Repowering ist das Ersetzen von alten durch neue, bessere PV-Komponenten. Das kann der Austausch von Modulen, Wechselrichtern oder die Installation neuer Technologien zur Optimierung der Erträge beinhalten. Da Photovoltaik-Anlagen (auch defektfreie) über die Laufzeit der normalen 20 Jahre einen Leistungsverlust verzeichnen, lohnt sich so ein Austausch für viele Betreiber.

Erster Schritt des Repowerings ist grundsätzlich die intensive Bestandsaufnahme des Photovoltaik-Systems. Dabei wird überprüft, welche Komponenten Verschleiß-Erscheinungen aufweisen. Ergebnis dieser Aufnahme ist eine ausführliche Dokumentation über die Anlage.

Im zweiten Schritt wird ein Finanzierungsplan und eine Pro­fi­ta­bi­li­täts-Analyse angestellt, die die durch das Repowering möglichen Ertragssteigerungen simuliert.

Nach der Umsetzung wird der Ertrag dann meist über den Repowering-Anbieter überwacht (Monitoring).

Direktvermarktung

Direktvermarktung gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Dies wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nur steigern. Grundsätzlich ist zwischen zwei Arten von Direktvermarktung zu unterscheiden: Verpflichtende und Optionale Direktvermarktung.

Die Namensgebung ist selbsterklärend. Für Anlagen, die ab dem 01.01.2016 ans Netz gegangen sind und eine Kapazität von mehr als 100kWp aufweisen, ist die Direktvermarktung verpflichtend (§21 EEG 2017). Den Betreibern aller anderen Photovoltaik-Anlagen steht es frei, sich den erzeugten Strom über die Direktvermarktung oder (falls noch möglich) über die EEG-Einspeisevergütung abgelten zu lassen. Eine Entscheidung für eine der beiden Optionen schließt nicht aus, wieder zurück zu wechseln. Der Anlagenbesitzer hat somit die Möglichkeit, sich auf monatlicher Basis die besseren Konditionen zu sichern.

Die Direktvermarktung bringt dem Betreiber einen finanziellen Vorteil gegenüber der EEG. Der Preis für den Strom setzt sich aus dem durch­schnitt­lichen monatlichen Marktpreis an der Strombörse sowie einer sogenannten Marktprämie zusammen. Diese ist zusammen genauso hoch wie die jeweilige Einspeisevergütung. Der finanzielle Vorteil liegt dann in der Managementprämie von 2ct/kWh. Dementsprechend ist der Anteil an PV-Betreibern, die diese Art der Vermarktung nutzen, in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Mit dem Auslaufen vieler EEG-Einspeisevergütungen wird diese Zahl nur noch steigen.

 

Haben Sie Interesse an einer Inspektion, Reparatur oder Repowerings Ihrer Anlage, können Sie sich unter www.ucair.de weiter informieren oder uns unter der +49 30 – 219 553 23 anrufen.

 

Enzo Stolzenburg 25-04-2018
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Anlagenkapazität:
kWp
Einspeisevergütung:
Zustand der Solaranlage:
normal schlecht sehr schlecht

Normal: Die Solaranlage weist einige kleinere technische Defekte auf

Schlecht:Solaranlage weist einige signifikante Auffälligkeiten auf, die die Effizienz verringern

Sehr schlecht: Solaranlage mit erheblichen Defekten z.B. ausgefallene Strings

Möglicher Jahresmehrertrag:
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